Reisetipps für Sardinien

Wandern auf Sardinien

geschrieben von Sebastian Keller am 20.04.16

Wenn Sie auf Sardinien wandern, kühlt meist einer der acht Winde Ihre Haut. Der Levante und seine Geschwister bringen dabei den Duft wilder Gewürze und des Meeres mit sich. Wind und Wetter können aber auch eine kleine Herausforderung für ambitionierte Wanderer sein. Böig weht der Greco aus Norden heran und der Scirocco ist manchmal beladen mit Sand aus der Sahara.

Ein Wanderurlaub auf Sardinien ist aber nicht nur deshalb immer etwas einzigartiges.

 

Sardinien: Alpinwandern oder Strandspaziergang?

 

So abwechslungsreich wie der Wind ist auch die Geologie Sardiniens. Zerklüfteter Kalkstein, uralte Vulkane, Schiefer, Granit und mehr prägen die Insel. Sie ist damit ein kleiner Kontinent für sich. Das bietet den unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Eidechsen wärmen sich in der Sonne, während über ihnen Raubvögel kreisen. Immer blüht irgendwo etwas und Insekten sind emsig dabei, Nektar und Pollen zu sammeln.

Von Meereshöhe bis auf 1834 m Höhe auf der Punta La Marmora erstrecken sich die Pfade.

Entsprechend abwechslungsreich sind auch die anderen Wanderer, die Sie auf Sardinien treffen (oder tagelang nicht zu Gesicht bekommen).

Fernblick

 

Die beste Reisezeit für einen Trekkingurlaub auf Sardinien

 

Wenn im März oder April auf Sardinien der Frühling beginnt, entsteht zwischen Mittelmeer im Westen und Süden, dem Tyrrenischen Meer im Osten und der Straße von Bonifacio im Norden ein weiteres Meer aus Blüten mitten auf der Insel. Der unvergleichliche Duft der Macchia wird Sie nicht mehr loslassen. Wenn Sie auf Sardinien wandern wollen, wenn sich die Insel von ihrer besten Seite zeigt, dann ist das die beste Zeit.

Die Temperaturen schwanken zwischen angenehmen 16 Grad an der Küste, während auf den Bergen noch Schnee liegt.

Zwischen Juni und September ist die ideale Zeit für kurze Touren, nach denen man sich im Meer erfrischen oder im Ferienhaus die Füße hoch legen kann.

Und ab Oktober müssen Sie vermehrt mit Niederschlägen rechnen. In höheren Lagen schneit es. Ein zauberhafter Anblick bei längeren Trekkingtouren auf Sardinien, wenn sich die Insel in Weiß hüllt und sich Ihre Spuren deutlich abheben!

 

Wandern zum Traumstrand

 

Ein Ferienhaus auf Sardinen gibt Ihnen die Möglichkeit von Ihrer Unterkunft direkt an einen „Südseestrand“ zu wandern. Die Strände im Süden Sardiniens locken mit feinem, hellen Sand, versteckten Buchten und einem abwechslungsreichen Panorama. Es ist nicht schwer auf dem Weg ein kleines Restaurant zu finden, oder sich mit frischen Lebensmitteln zu versorgen um selbst zu kochen. Oder Sie genießen zwischendurch das herrlich aromatische Obst von der Insel. Kenner schätzen zum Beispiel die etwas widerspenstigen Kakteenfrüchte. Die Insel bietet Zitrusfrüchte, Tomaten, Oliven, Erdbeeren, Feigen, Weintrauben und vieles mehr. Da ist für jeden etwas Leckeres dabei!

Das ist Wanderurlaub auf Sardinien für Genießer. Wir haben aber auch einen Tipp für alle, die die ultimative Herausforderung suchen.

Wandern zum Traumstrand

 

Wanderweg Selvaggio Blu auf Sardinien

 

Der „schwierigste Wanderweg Italiens“ verwischt die Grenze zwischen Wandern und Klettern. Wer den wildromantischen Charakter der Tour erleben möchte, muss über unwegsames Gelände hinauf, Abseilstrecken hinunter und eine Woche lang unter freiem Himmel oder in Höhlen übernachten.

Obwohl die Wanderstrecke immer mehr oder weniger geradlinig an der Ostküste Sardiniens entlang führt, ist die Orientierung eine Herausforderung. Sich durch das Macchia-Gestrüpp zu kämpfen, bis man zufällig wieder auf eine der improvisierten Wegmarkierungen stößt, ist eher die Regel als die Ausnahme. Mit einer geführten Wanderung auf dem Fernwanderweg sind Sie auf der sicheren Seite und erfahren viel über die wechselvolle Geschichte der Insel, deren Wanderwege nach wie vor den Wandersteigen der Hirten, Jäger und Fallensteller folgen.

 

Auf den Spuren von Entdeckern, Abenteurern und Genießern

 

Das Wegenetz auf Sardinien wird schrittweise für einen sanften Tourismus ausgebaut. Viele Routen führen durch Naturschutzgebiete oder unberührtes Gelände und wer die Gegend auf eigene Faust mit Kompass und Karte erkunden will, kann das tun. Grundlage für die meisten Strecken sind die alten Pfade der Einheimischen, die seit Jahrhunderten auf die Jagd nach Wildschweinen gehen, sich um ihre Schafe und Ziegen kümmern oder sich mit wildem Obst und Kräutern versorgen. Immer wieder entdeckt man die Spuren vergangener Zeiten.

Das verleiht dem Wandern auf Sardinien sein besonderes Flair. Man weiß nie, welche wunderbaren Entdeckungen hinter der nächsten Ecke auf einen warten. Wer auf Sardinien wandert, begegnet Bauern bei der Arbeit ebenso wie Prominenten aus Hollywood, die dem Trubel entfliehen wollen.

 

Highlights für Sardinien-Wanderungen

 

Wer auf Sardinien Urlaub macht, sollte unbedingt das Supramonte-Massiv besuchen. Hier gibt es über 1000 Höhlen, Dörfer aus der Vorgeschichte und einen der bekanntesten Canyons in Europa.

Für die heißen Monate empfehlen wir Ihnen eine der Schluchten-Wanderungen, zum Beispiel durch die Su Gorropu. Der Weg führt durch schattenspendende Wälder entlang am Bach Rio Flumineddu, der immer wieder kleine Teiche bildet. Die Su Gorropu gehört zusammen mit der Samaria-Schlucht auf Kreta zu den tiefsten und schönsten Canyons Europas. Bis zu 400 Meter ragen die Wände zu beiden Seiten auf. Beachten Sie bitte die Öffnungszeiten der Schlucht und die Eintrittskosten.

Wer mehr über die uralte Geschichte Sardiniens erfahren möchte, sollte zu einem der noch erhaltenen Nuraghendörfer wandern. Tiscali liegt im Gennargentu-Park, dem Dach Sardiniens und stammt aus dem 5. bis 3. Jahrhundert vor Christus. Bis heute ist nicht geklärt, aus welchem Grund die Siedlung mit etwa 40 Hütten in dieser wasserarmen Gegend errichtet wurde.

 

Giare- Wandern auf den Hochebenen

 

Wandern auf Sardinien mit Kindern funktioniert am besten auf den Hochebenen. Zum Beispiel der Giara di Gesturi, die sich auf 550 Metern Höhe über etwa 43 Quadratkilometer erstreckt. In diesem Naturreservat gedeihen unter anderem knorrige Korkeichen. Zahlreiche seltene Wildtiere wie Wildkatzen und Marder haben sich hier angesiedelt. Das Markenzeichen sind allerdings die kleinen Wildpferde, die es nur hier gibt. In regenreichen Monaten bilden sich große Tümpel, an denen die Tiere trinken und die das Aussehen der Hochebene immer wieder verändern

Wildpferde

 

Geführte Wanderungen auf Sardinien

 

Für alle längeren Touren lohnt es sich darüber nachzudenken einen einheimischen Trekking-Führer zu engagieren. Noch entsprechen viele Routen nicht dem höchsten Standard und man verliert ohne ausreichende Erfahrung leicht die Orientierung. Diese Angebote sind gut organisiert und in großer Auswahl vorhanden. Der Service reicht bis zum Komplettpaket inklusive Transport, Unterkunft und Verpflegung.

 

Wanderkarten für Sardinien

 

Das Instituto Geografico Militare (IGM) bietet Karten für Sardinien an, die eine gute Grundlage für Ihre Tourenplanung bilden. Erhältlich sind sie als kostenloser Download (http://www.sergian.it/) oder per Bestellung. Sie sind zwar nicht immer auf dem aktuellen Stand, aber ansonsten sehr zuverlässig. Als Ergänzung sollten Sie auf Angebote für Ihr Mobiltelefon und je nach Region auf Karten der Forst- und Parkbehörde Sardiniens zurückgreifen.

 

Wandern mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auf Sardinien

 

Wer auf Sardinien kein eigenes Fahrzeug zur Verfügung hat, braucht etwas Organisationstalent und mitunter Geduld – was Ihnen als Wanderer nicht schwer fallen sollte. Für Ihre Mühen werden Sie mit einem entspannten Blick auf atemberaubende Landschaften belohnt. Die Überlandbusse pendeln zwischen den größeren Ortschaften und bilden ein recht dichtes Nahverkehrsnetz über den größten Teil der Insel. Manchmal müssen Sie allerdings planen, wo der beste Ein- oder Ausstieg für eine Wandertour auf Sardinien liegt.

 

Besondere Wanderungen in Sardinien

 

Wir haben Ihnen einen kleinen Eindruck vermittelt, was der „Kontinent Sardinien“ für Wanderer bereithält. Fast täglich entdecken Besucher neue Möglichkeiten. Da in den höheren Lagen monatelang Schnee liegt, spricht zum Beispiel nichts gegen eine Schneeschuhwanderung – auf mediterrane Art. Oder Sie packen ein leichtes Schlauchboot in Ihren Rucksack. Damit wird die Bachwanderung zu einer versteckten Bucht zu einem Rundweg. Suchen Sie sich einfach einen schönen Strand aus, von dem aus Sie wieder ins Inland wandern. Oder wie wäre es mit einer kulinarischen Wanderung? Auch Städte-Touren werden immer beliebter.

 

TiSENTi-Wandervorschlag 1: Zwei leichte Wandertouren auf der Sinis-Halbinsel

 

Milis, ein kleiner Ort am Rande der Sinis-Halbinsel ist das Zentrum der sardischen Orangenbauern. Von hier aus kann man viele Aspekte der Insel erwandern – sei es indem man sich auf den Weg nach Norden in die Berge aufmacht, oder wie wir nach Südwesten ins Wasserschutzgebiet der Halbinsel und vom Örtchen San Giovanni di Sinis zu einem ganz besonderem Strand. Man kann die beiden Strecken verbinden, indem man den See "Stagno di Cabras" umrundet, besser ist es aber den Weg aufzuteilen und ihn an zwei Tagen zu laufen. Für einen gemütlichen Spaziergang bietet sich der Weg nach San Vero Milis und wieder zurück an oder eine beliebige Strecke an der Westküste der Halbinsel.

 

Die Orangen von Milis haben eine lange Tradition und sind so berühmt, dass sie es sogar zu einem eigenen Sprichwort gebracht haben. Wenn ein Sarde sagt, dass er gern Hände wie die Leute in Milis hätte, dann hat das folgenden Grund: Die geernteten Früchte wurden früher unverpackt in den Häusern des Dorfes gelagert. Da die Früchte so schön rund sind und das Bücken so anstrengend ist, machte man sich anscheinend nicht die Mühe, sie aufzuheben, sondern rollte sie gleich mit den Füßen da hin, wo man sie hin haben wollte. So blieben die Hände sauber ...

Daneben ist Milis auch für das Weinfest bekannt, das jedes Jahr Mitte November stattfindet.

 

Aber wir wollen ja nicht von einem Probierstand zum anderen Wandern, sondern uns die Gegend ansehen und uns dabei Appetit holen. Am Südende und westlich von Milis gelangt man direkt in die langgezogenen Obsthaine. Mehrere Wege und Straßen führen hindurch, eine davon zweigt von der Kreuzung der Strada Provinciale 15 mit der Strada Provinciale 14 ab. Im Süden wird das Anbaugebiet durch die SP 9 begrenzt, man kann sich also nicht verlaufen, selbst wenn man keinem genauen Plan folgt.

 

Wenn man immer im Schatten der Bäume bleibt bzw. dem Verlauf der SP 9 folgt, gelangt man nach San Vero Milis. In der Stadt, die auch die Hauptstadt der Königin Eleonore genannt wir, werden unter anderen in der Faschingszeit Reiterspiele und Pferderennen (Sa Sartiglia) veranstaltet, die Sie sich anschauen sollten, wenn Sie dazu Gelegenheit haben.

 

Die Schutzzone der Halbinsel Sinis, an deren Eingang wir jetzt stehen, ist auf sanften Tourismus ausgelegt. Hier findet man Wanderer, Surfer, Taucher, Vogelbeobachter und Reiter.

Auf der Webseite Areamareasinis werden verschiedene Vorschläge für Touren angeboten, die die Natur oder Kultur und Archäologie zum Schwerpunkt haben. Besonders möchten wir Ihnen die Strecke von San Giovanni di Sinis bis zum Strand von Is Arutas ans Herz legen.

 

Von San Giovanni folgen Sie einfach der Küste nach Norden bis Funtana Meiga. Westlich davon befindet sich der Aussichtspunkt Torre del Sevo, auch als Turr’e Seu bekannt, der um 1500 von den Spaniern errichtet wurde. Die Oase von Seu, die sich auf 100 Hektar vom Turm aus nach Norden erstreckt, bietet einer Vielzahl von Einheimischen Arten Schutz. Vor allem Vögel finden in der dichten Macchia, die oft für Menschen und jedes größere Tier undurchdringlich ist, und in den Steilklippen Schutz. Und die nahen Salzteiche der Halbinsel locken sogar Flamingos an!

 

Nördlich der Oase von Seu beginnt die „Wüste von Sinis“. Sie wird zwar bewirtschaftet, überlässt die Bühne aber ganz und gar den Stränden. Das Besondere an ihnen ist der Sand, der mal aus rein weißen Quarzkörnern, mal aus verschiedenen Farben zusammensetzt. Am bekanntesten ist der „Reiskornsand“, der besonders am Strand von Is Arutas zu finden ist. Die kleinen Körnchen sehen aus wie Millionen von polierten Edelsteinen und liefern in der Abenddämmerung ein einmaliges Schauspiel.

 

Wer es ungestört genießen will, sollte in der Nebensaison herkommen, denn im Sommer ist der Strand verständlicherweise voll von Badegästen.

 

TiSENTi-Wandervorschlag 2: Von Villacidro zu den Wasserfällen "Piscina Igas" und "Cascata di Muru Mannu"

 

Villacidro ist wahrscheinlich die Wasserfall-Hauptstadt Sardiniens und damit ein hervorragender Startpunkt für Wandertouren, die Sie mit einem einmaligen Anblick belohnen. Der Ort liegt etwa eine Stunde mit dem Auto von Cagliari entfernt und ist auch leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Von der Stadt aus kommt man in einem Spaziergang zu den Wasserfällen (Cascate) von Villacidro, der als einer der schönsten Wasserfälle der Insel Sardinien gilt. Aber wer echte Superlative erleben möchte, der sollte den Cascata Muru Mannu im Monte Linas-Gebirge als Ziel wählen. Sie brauchen jeweils etwa 2,5 Stunden hin und zurück.

 

Die beste Zeit dieses Naturschauspiel zu bewundern, ist in der niederschlagsreichen Zeit und nach starken Regenfällen. Wer lieber auf Nummer sicher gehen will und trockenen Fußes ankommen möchte, kann hier aber auch problemlos zu jeder anderen Zeit durch Sardinien wandern, denn schon die Strecke an sich ist sehr reizvoll.

 

Der Wasserfall ist nämlich eingebettet in den Parco Geonminerario Della Sardegna-Monti Mannu und lässt sich über einen gut markierten Forstweg erreichen. In diesem Wald finden Sie schattige Plätze unter hundertjährigen Eukalyptusbäumen bei denen Sie rast machen können, bevor Sie weiter in die für Sardinien typische Macchia aufsteigen. Der Weg führt immer am Lauf des Rio Cannisoni entlang, einmal links, einmal rechts, so dass auch ein paar Bachdurchquerungen auf dem Programm stehen – denken Sie also an wasserdichtes Schuhwerk, wenn Sie bei Regen wandern wollen! Im Frühling und Sommer hingegen ist das Bachbett meist trocken.

 

Wer einen einfachen Schwierigkeitsgrad bevorzugt, wandert nach einem Aufenthalt am Wasserfall die gleiche Strecke wieder zurück. Wer aber Lust auf ein wenig Abenteuer hat, kann sich von der Cascata di Muru Mannu nach Südosten zur Cascata Piscina Irgas durchschlagen. Da man im Süden auf einen weiteren Weg stößt, ist die Gefahr sich zu verirren relativ gering.

In den Schluchten zwischen Villacidro und Punta Piscina Irgas und Punta Magusu Irgas sind vor allem an den Wochenenden außerdem zahlreiche Wanderer und Mountainbiker unterwegs. Allerdings sollten Sie die steilen Klippen nicht unterschätzen!

 

Der Wasserfall Cascata Piscina Irgas lässt sich ansonsten über drei Routen erreichen, die am Parkplatz vor der Cantina Ferraris beginnen. Ein Weg führt durch die Oriddaschlucht, ein zweiter über eine etwas abenteuerliche Brücke und macht einen Bogen nach Westen und der dritte folgt lange der Schotterpiste nach Norden und bietet ein Panorama auf den Wasserfall. Die Strecken lassen sich zu einem Rundweg kombinieren. Beim Weg durch die Schlucht ist allerdings immer ein wenig Klettern über die Felsen im Flussbett angesagt. Es sollte also nicht regnen!

 

Wer den Wasserfall bis Juni ansteuert, hat gute Chancen in seinen Wasserbecken baden zu können. Danach ist der Wasserstand wahrscheinlich schon zu niedrig dafür. 

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Entdecken der Insel!

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