Reisetipps für Sardinien

Mit der Fähre nach Sardinien - so wird es eine entspannte Überfahrt

geschrieben von Thomas Waldschmidt am 20.03.15

Als ich Ende der 80er Jahre zum ersten Mal in den Hafen von Genua einbog und durch den leicht verrußten Schleier die gigantische Fähre der damals noch staatlichen Fährgesellschaft Tirrenia entdeckte, war ich baff. Gigantisch lag es dort, das altgediente Gefährt.

Viele hundert Kilometer in einem Fiat Tipo lagen hinter mir. An Bord: vier Studenten, vier Taschen, eine Kühlbox und jede Menge jugendliche Träumereien. Heute, rund 25 Jahre nach meinem ersten Trip auf die Insel kann ich sagen, dass ein Sardinienurlaub genau hier beginnen sollte: im Hafen Genuas.

Italienisches Stimmengewirr und leicht chaotische Zustände im Vorfeld der Beladung des Dampfers werden alsbald abgelöst von einer großen Herausforderung für jeden autoverliebten Mitteleuropäer: das Einparken an Bord der Fähre. Zentimetergenau sollte man die Handzeichen der Einweiser interpretieren können. Ansonsten belegt man gleich unfreiwillig seinen ersten Italienischkurs. Thema: „Fluchen!“ Doch alles halb so wild. Die Metamorphose der sprichwörtlichen Mücke geht in Italien halt noch etwas schneller. In zwanzig Sekunden mutiert sie zunächst zum Elefanten, um sich sofort danach in ein Lächeln zu verwandeln. Sagenhaft!

 

Die Anreise per Fähre - viva Italia!

Ab jetzt ist also gute Laune angesagt. Und sie wird garantiert noch besser, wenn man so schlau war und jemanden aus dem eigenen Reisetross schon vor dem Einparkmanöver mit der Aufgabe betraut hat, an der Bordrezeption vorstellig zu werden um den Kabinenschlüssel in Empfang zu nehmen. „Kabine?“: Klar, das klingt dann nur nach kleinem Fährabenteuer. Irgendwie uncool. Sollte aber jedem wurscht sein, der die Nachtfähre gebucht hat und nach einer langen Autofahrt auf ein wenig Erholung besteht. Spätestens wenn Kinder im Spiel sind, gibt es kein Umhin. Eine Nacht im Liegestuhl an Deck hat zwar wildromantische Züge, ist aber auch nur echten Naturliebhabern zu raten. Alternativ bliebe dann noch die Möglichkeit, sich einen Schlafsessel zu mieten. Nun ja, was soll ich sagen? Ich habe den Fehler nur einmal gemacht und kann mich an schlechten Tagen noch heute an das einprägsame Odeur das durch den Schlafraum waberte, erinnern. Vielleicht machbar mit einer großen Flasche sardischen Rotweins als flüssige Gute-Nacht-Geschichte. Aber unter uns: ich bevorzuge die kleine Ration des Schlummertrunks und widme mich dann lieber hinter verschlossener Türe meiner eigenen Idee von Nachtruhe.

Gute Planung spart Geld

Die Fähren sind in den letzten Jahren zwar allesamt moderner, dafür aber auch recht teuer geworden. Mit ein wenig Geschick bei der Planung kann man aber viel Geld sparen. Für wen es beispielsweise möglich ist, der sollte eine Überfahrt “unter der Woche” wählen. Samstags und sonntags ist Bettenwechsel in den Hotels und bei den meisten Ferienhausanbietern. Nur allzu logisch, dass sich das negativ auf Preis und Platzangebot auswirkt. Es ist in der Regel auch wesentlich günstiger, bei Tag mit der Fähre nach Sardinien überzusetzen. Doch Achtung: dies bedeutet auch, dass man die Strecke zum Festlandshafen (Genua oder Livorno) in der Nacht zurücklegen muss. Das allein kann schon quälend sein. Wenn man dann noch in Rechnung stellt, dass die Überfahrt zwischen fünf (Schnellboot) und elf Stunden (normale Fähre von Genua) dauert, dann empfiehlt es sich aus Erholungsgründen eigentlich eher, die Nachtfähre zu buchen. Die Fahrt vergeht dann tatsächlich „wie im Schlaf“. Gegen sieben Uhr früh wird man durch ein rauchiges “Buongiorno” aus dem Lautsprecher geweckt. Und da es der Capitano gesprochen hat, heißt es, dass das Ziel nun ganz nahe ist. Was der Espresso alleine nicht schafft, übernimmt die Morgensonne. Alle Sinne sind erwacht, alle Zeiger wurden über Nacht auf “Urlaub” gestellt und am Horizont taucht eine gute alte Freundin auf- Sardinien!

 

Info: Wer das kleine Fährabenteuer auch erleben möchte, der sollte eine Fähre von Genua oder Livorno aus buchen. Es empfiehlt sich – auch für Leute, die den Süden Sardiniens bereisen wollen – die Fähre an einen der nördlichen Häfen der Insel zu buchen und die restliche Strecke mit dem Auto auf den, mittlerweile wunderbar ausgebauten, Straßen zurück zu legen. Von Olbia bis Cagliari benötigt man kaum mehr drei Stunden. Übrigens: die Preislisten der Fährgesellschaften gleichen einem Dschungel. Wer ein gutes Angebot erhalten will, der kann meinen persönlichen “Fähren-Tarzan” Klaus Dierkes van Bloh unter www.faehrvermittlung.de zu Rate ziehen.

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